Zur Information der Mitfeiernden hat Pastor W. Darscheid den folgenden Text am Ende der Vorabendmesse (aus Gründen der Aktualität geringfügig verändert) am Samstag, 07.02.09 um 17:00 h in St. Clemens und am Ende der Familienmesse am Sonntag, 08.02.09 um 11:00 h in Herz Jesu verlesen.
Liebe Schwestern und Brüder,
sie konnten aus den Medien die Berichte und Kommentare zur Aufhebung der Exkommunikation von vier Bischöfen der Priesterbruderschaft St. Pius X. durch Papst Benedikt XVI. verfolgen. Wegen der unterschiedlichen Berichterstattung und den Reaktionen möchte ich einige Gedanken äußern, um Sie bei der eigenen Meinungsbildung in dieser Sache zu unterstützen.
Die Priesterbruderschaft St. Pius X. wurde 1970 von dem verstorbenen Erzbischof Lefebvre als traditionalistische Vereinigung gegründet, um an der Liturgie vor 1962 und der traditionellen Lehre der Kirche festzuhalten, die aus ihrer Sicht durch das II. Vatikanische Konzil aufgegeben wurde. Das II. Vatikanische Konzil (1962-1965) hat das Selbstverständnis der Kirche als Volk Gottes und Leib Christi betont und auf dieser Grundlage das Verhältnis der katholischen Kirche zu anderen Konfessionen, Religionen und zur Gesellschaft neu bestimmt. Das Anliegen war, die Zeichen der Zeit zu erkennen und im Licht des Evangeliums zu deuten. Die Aussagen des Konzils zum Verhältnis zu den Juden, zur Ökumene, zur Religionsfreiheit und zur Liturgie lehnt die Priesterbruderschaft St. Pius X. umfassend oder teilweise ab.
Im Jahre 1988 hat Erzbischof Lefebvre ohne Erlaubnis des Papstes vier Kandidaten der Priesterbruderschaft St. Pius X. die Bischofsweihe erteilt. Dadurch hatten er und die vier geweihten Bischöfe sich die Kirchenstrafe der Exkommunikation als Tatstrafe zugezogen. Eine Tatstrafe bedeutet, dass die Handelnden sich durch das Tun aus der Gemeinschaft der katholischen Kirche ausschließen und der Apostolische Stuhl dies feststellt.
Papst Benedikt XVI. hat nun am 21.01.2009 die Exkommunikation für die vier 1988 unerlaubt geweihten Bischöfe aufgehoben. Das hat zur Folge, dass sie die Sakramente empfangen können, aber nicht erlaubt die heilige Messe oder andere Sakramente feiern und spenden oder bischöfliche Funktionen ausüben. Das Kirchenrecht regelt, dass vor der Aufhebung einer Exkommunikation die Reue über die Straftat, verbunden mit einer angemessenen Wiedergutmachung des entstandenen Schadens und Behebung des Ärgernisses, gegeben sein muss. Diese Voraussetzungen zeigen, dass der Papst der Priesterbruderschaft St. Pius X. sehr weit entgegengekommen ist, um eine Möglichkeit zu weiteren Gesprächen zu eröffnen. Damit bleibt unser Papst einem der Leitthemen seines Pontifikates treu, die Einheit der Kirche engagiert voranzutreiben.
Die Zukunft wird zeigen, inwieweit diese Einladung des Papstes zur Einheit aufgenommen wird und die Priesterbruderschaft St. Pius X. das II. Vatikanische Konzil und seine lehramtlichen Beschlüsse als Wirkung des Geistes Gottes in der Kirche ehrlich und glaubwürdig ohne Einschränkung anerkennt.
Mit diesem kirchenrechtlichen Schritt des Papstes ist aber keine Anerkennung von Handlungen oder Äußerungen dessen verbunden, dessen Exkommunikation aufgehoben wird.
Der Papst und katholische Bischöfe haben eindeutig klargestellt, dass die antisemitischen, der historischen Wahrheit widersprechenden und Juden wie Christen verletzenden Äußerungen von Bischof Richard Williamson nicht der Auffassung der katholischen Kirche entsprechen und ihn aufgefordert, seine Aussagen zu widerrufen. Das hat Bischof Williamson abgelehnt.
Ob – wie in manchen Medien spekuliert – der Papst nicht ausreichend informiert und angemessen beraten worden ist, können wir nicht sicher beurteilen. Die Reaktionen zeigen aber dass die Suche nach kirchlicher Einheit auch politische Dimensionen hat.
Was bleibt uns im Unverständnis über die antisemitischen Aussagen, das Bestreben des Papstes um Gespräche zur Überwindung der Spaltung und den Reaktionen, die ein höchst unterschiedliches Maß an Sachkenntnis erkennen lassen?
Hoffen wir, dass der Einsatz unseres Papstes für umfassende Versöhnung und Einheit zum gewünschten Ergebnis führt. Dazu gehört ebenso der Wunsch, auch in Zukunft das Gespräch und die Begegnungen mit Juden fortzusetzen und nicht durch Kräfte außerhalb der katholischen Kirche beschädigen zu lassen.
Liebe Schwestern und Brüder, ich lade Sie ein dafür zu beten, dass der Einsatz unseres Papstes um Versöhnung seiner Absicht entsprechend zum Guten führe!
Pastor Wilhelm Darscheid